Lebensmittelbetrug – Was ist das und welche Auswirkungen hat er auf den deutschen ökologischen Landbau?

Wenn es um Bio-Lebensmittel in Europa geht, steht Deutschland einfach an der Spitze. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hat in den vergangenen Jahren festgestellt, dass der Wert des Bio-Marktes weiter gewachsen ist und 2020 auf 14,99 Milliarden € emporgeschossen ist. Dies ist den Deutschen zu verdanken, die 22 % mehr Bio-Lebensmittel und -Getränke kauften, was dazu führte, dass der Verkauf von Bio-Produkten einen fast doppelt so starken Anstieg verzeichnete wie der Rest des Lebensmittelmarktes.

Wie jedoch bei allen anderen, kommerziell erhältlichen Produkten auch, bringt dies die Möglichkeit mit sich, dass Menschen das für ihren Vorteil ausnutzen. Lebensmittelbetrug nimmt weltweit zu und kann enorme Auswirkungen sowohl auf die Landwirtschaft als auch auf die Gesundheit der Bevölkerung haben, die diese Produkte konsumiert.

Electrix, ein führender Anbieter von Gehäusen für elektrische Bauteile, hat den Lebensmittelbetrug untersucht, wie er sich auf den ökologischen Landbau auswirkt und was getan werden kann, um ihn im Keim zu ersticken.

Lebensmittelbetrug – Was ist das?

Die Definition von „Lebensmittelbetrug“ bezieht sich auf alle Lebensmittel, die einer falschen Kennzeichnung, nicht autorisierter Aufwertung oder Verwässerung eines Produkts oder einer absichtlichen Verschleierung unterzogen wurden. Sie umfasst auch Lebensmittel, die auf dem Graumarkt produziert, auf diesen umgeleitet oder dort vertrieben werden.

Lebensmittelbetrug geht am häufigsten mit falscher Kennzeichnung einher, was eine Reihe von Auswirkungen haben kann. Lebensmittel werden von Restaurants und Einzelhändlern oft als das verkauft, als was sie falsch gekennzeichnet wurden, was beim Verzehr zu Erkrankungen oder Schlimmerem führen kann. Eine inkorrekte Kennzeichnung von Lebensmitteln in Bezug auf entsprechende Allergene oder die richtigen Lagerungshinweise wirkt sich nicht nur auf das Vertrauen der Verbraucher aus, sondern könnte auch eine legitime Gefahr für deren Gesundheit darstellen.

Wie wirkt sich das auf Bio-Lebensmittel und die Agrarwirtschaft in Deutschland aus?

Die Hauptmotivation für Lebensmittelbetrug ist volkswirtschaftlich begründet. Die Europäische Kommission hat sogar gesagt, dass die durch Lebensmittelbetrug verursachten Schäden jährlich zwischen 8 –12 Milliarden €betragen. Da Bio-Produkte teurer sind, werden sie mit höherer Wahrscheinlichkeit falsch gekennzeichnet oder manipuliert. Aus diesem Grund nimmt der Betrug bei biologischen Lebensmitteln überall zu, vor allem aber in Deutschland. Zwischen 2016 und 2019 verzeichnete das EU-Netzwerk für Lebensmittelbetrug die größte Zahl von Anfragen für Untersuchungen und Informationen rund um Betrug, wobei mehr als 70 Anfragen aus Deutschland kamen.

Für Bio-Lebensmittel gibt es mehr Vorschriften als für konventionelle Lebensmittel. Der Anbau und die Aufzucht von Bio-Lebensmitteln bedeutet, dass Pestizide, Wachstumshormone und das Zusetzen von Chemikalien verboten sind und die Lebensmittel in Laboren überprüft werden, um sicherzustellen, dass sie die Standards erfüllen, um als biologisch eingestuft zu werden.

Der Dominoeffekt für die deutsche Bio-Agrarindustrie ist der Schaden, der dem Vertrauen der Verbraucher und der Konstanz in der Lieferkette zugefügt wird. Die Verbraucher wollen das bekommen, wofür sie bezahlen, und wenn sie Produkte bekommen, die nicht mit dem Preisschild in Einklang stehen, werden sie sie nicht wieder kaufen – was sich auch auf die Anbieter auswirkt. Wenn die Händler wiederum selektiver in Bezug auf ihre Lieferanten sein müssen, wird auch die Effizienz der Lieferkette beeinträchtigt.

Was wird getan, um dieses Problem anzugehen?

Es wurden mehrere Richtlinien eingeführt, um sicherzustellen, dass die Produkte der Qualität entsprechen, für die sie beworben und verkauft werden.

Für Lebensmittel und lebensmittelbezogene Produkte, die aus Drittländern importiert werden, hat die Europäische Kommission das Handelskontroll- und Expertensystem (TRACES) eingeführt. Hierbei handelt es sich um ein Online-Tool, das den Weg der Produkte verfolgt und steuert, bevor sie europäische Länder erreichen. Die Europäische Kommission führte auch die neue Bio-Verordnung und die amtliche Kontrollverordnung ein, die zum Schutz der Fairness und der Rechte bei der Einfuhr und Ausfuhr von Lebensmitteln in Europa dienen.

Während der ökologische Landbau in Deutschland weiterhin floriert und der Wirtschaft zugute kommt, bedroht die Zunahme des Lebensmittelbetrugs dessen Zukunft. Der Betrug mit Bio-Lebensmitteln, die häufigste Form von Lebensmittelbetrug, könnte nicht nur dem wirtschaftlichen Wert schaden, sondern auch der Stabilität der Lieferkette und dem Vertrauen der Verbraucher. Obwohl Deutschland die meisten Anfragen für Ermittlungen hat, wird durch die verstärkten Maßnahmen der Europäischen Kommission mehr getan, um die steigenden Betrugszahlen schon im Keim zu ersticken.